
Das Mantelabhebverfahren (Lehmschablonenverfahren), nach dem heute in guten Glockengießereien gearbeitet wird, wurde im 12. Jahrhundert entwickelt und war im 14. Jh. soweit ausgereift, dass die Glocken hohen musikalischen Ansprüchen genügen. Es gibt kein besseres Verfahren für die Herstellung von Kirchenglocken, auch wenn es recht langwierig ist und man immer wieder Billigvarianten ausprobierte.
Zunächst wird der Kern gemauert und der auf die Lehmsteine aufgetragene Lehm mit der Schablone abgedreht. Nach dem Aufbringen einer Trennschicht aus Rindertalg erfolgt auf die gleiche Art und Weise die Herstellung der falschen Glocke (Modell) oder Dickung, auf die nach erfolgter Trocknung Inschriften und Verzierungen aus Wachsmodellen aufgebracht werden. Als letztes wird der Mantel aus Lehm hergestellt, der genügend stabil sein muß, um dem Druck des Metalls beim Gießen standzuhalten. Nach seiner Trocknung wird er hochgezogen und die "falsche Glocke" herausgebrochen. So entsteht der Hohlraum, in den gegossen wird. Nach Wiederaufsetzen und genauer Zentrierung des Mantels wird als letztes die Krone aufgesetzt und die Glockenform kann in die Gießgrube transportiert und zum Guß vorbereitet werden. Als letzter Schritt vor dem Guß wird die Gießgrube ausgestampft. Der Guß kann beginnen.
Unmittelbar vor dem Guss wird gesprochen: "In Gottes Namen, wir gießen". Meist finden die Glockengüsse unter großer Anteilnahme der Kirchengemeinden statt, für die die Glocken bestimmt sind.
Informationen zur Geschichte der Glockengießerei und des Glockengusses finden Sie in unserer Dokumentation "Glockengeschichte" (PDF-Datei)
In der Dokumentation "Von Glocken und Glockengießern" (PDF-Datei) finden Sie Wissenswertes über den Glockenguss,
Bilder zum Glockenguss sehen Sie in unserer "Fotodokumentation".